Vegan-Sein ist keine psychische Störung

VEGAN-Sein ist keine psychische Störung

 

 

 

… auch keine `Religion´.

 

Nein! Ich finde – und da kann ich natürlich nur für mich selbst sprechen – vegan zu sein ist viel mehr eine Haltung, ja, eine Lebenseinstellung.

 

Nach einigen Jahren des Vegan-Seins ist es mir ein Bedürfnis, einmal mit meinen Erfahrungen nach außen zu treten, zu dir, lieber Leser oder lieber Zuhörer (womit ich auch alle weiblichen Wesen ansprechen möchte), raus aus der Nische des schüchternen `Mäuschens´, welches vorsichtig versucht, seinen eigenen Weg zu finden.

 

Immer wieder erlebe ich, und mit mir so ziemlich alle vegan lebenden Personen, die ich kenne, dass uns anders denkende Menschen sehr aggressiv begegnen. Geradezu ungezügelter Hass schlägt einem da mancherorts entgegen. In der Regel laufen diese unliebsamen Begegnungen so ab: Irgendwo gibt es reichlich zu essen, z.B. an einer Geburtstagstafel oder an einem Buffet. Trotzdem verbleibt auf dem eigenen Teller eine gähnende Leere (was durchaus den Zustand des um Aufmerksamkeit heischenden Magens wiederspiegelt). Dann kommen die ersten, erstaunten Fragen der Umstehenden (deren einziges Problem sein mag, wie sie es schaffen könnten, von Allem ein wenig zu naschen, ohne zu `platzen´), wieso ich denn so wenig äße.

 

„Na ja, weil fast alles aus tierischen Produkten besteht oder mit solchen `angereichert´ ist“, will ich dann antworten. Doch soweit komme ich oft gar nicht erst, da ich vorher mit Schnappatmung unterbrochen werde: „Bist du etwa VEGANER oder Vegetarier oder so was?“ Im Umkreis werden alle Gespräche ruckartig eingestellt und mit hoch gezogenen Augenbrauen und verächtlich gezückten Mundwinkeln gelauscht, was ich nun zu meiner Verteidigung vorzubringen habe. Mir scheint, als hätte ich mich geoutet, im Herzen doch ein Mann zu sein, mich mit 51 bei Heidi als Top-Model vorzustellen oder womöglich auf eine `sichere´ Beamtenlaufbahn zu verzichten, oder was noch viel schlimmer wäre, mit irgendeiner bedrohlichen psychischen Krankheit hausieren zu gehen.

 

Und dann ist der Gesprächsbedarf plötzlich da. Wie Messer fliegen mir die Fragen um die Ohren – als gälte es ums Überleben zu kämpfen. Nein, ich meine nicht mich, sondern diejenigen, die mir die Fragen stellen. Vielleicht lässt sich ja ein Fehler in meinem System aufdecken: „Pflanzen leben doch auch?“, „Willst du so die Welt retten?“, „Müssen dein Hund und deine Katzen auch vegan leben?“ usw. .

 

Bitte fragt mich nicht, was euch da so bedroht, ich weiß es nicht!

 

Ich will an dieser Stelle nicht die Gründe für meine Art zu leben aufzählen, welche persönlicher, politischer, ethischer und ökologischer Natur sind. Die finden sich zuhauf im Internet ( Suchmaschine: `Warum vegan?´). Ich muss mich nicht dafür rechtfertigen, warum ich irgendwann endlich den Schritt gewagt habe, gegen Tier-Leid ein Zeichen zu setzen. Mir geht es damit besser! Ich kann mich ein ganz klein wenig besser leiden als würde ich es nicht tun.

 

Aber eines ist sicher: Kein Veganer verzichtet auf so leckere Dinge, wie Käse, Würstchen und Torte um euch Nicht-Veganer zu ärgern!

 

Die Motivation für so viel Verzicht und Selbst-Disziplin ließe sich niemals aus einem negativen Ursprung entwickeln. Es geht um etwas Positives: um die Hoffnung auf mehr Rücksicht und Respekt voreinander, um Empathie gegenüber Schwächeren und um Zufriedenheit über das Wesentliche.

 

Jeder muss seinen eigenen Weg finden! Auch du!

 

Andrea Remen

 

P.S.: Jetzt habe ich kürzlich einen wirklich gelungenen Beitrag auf WDR 5 gehört, den ich euch nicht vorenthalten möchte.

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